Seit 2024 kursiert in der Branche ein gefährlicher Satz, der nur zur Hälfte der Wahrheit entspricht: „Der Oberste Gerichtshof hat die Quote gekippt, jetzt können Lizenzen beantragt werden.“ Es ist ratsam, zu klären, was genau passiert ist, was sich tatsächlich geändert hat und wie die Lage heute aussieht – denn aufgrund dieses Missverständnisses stehen echte Geldbeträge auf dem Spiel.
Was die Gerichte gesagt haben, der Reihe nach
Zunächst der EuGH (Rechtssache C-50/21, Juni 2023, zum Raum Barcelona): Die Begrenzung von VTC-Genehmigungen durch eine Quote wie 1:30 schränkt die Niederlassungsfreiheit ein und ist nur mit einer stichhaltigen Begründung vertretbar – der Schutz der wirtschaftlichen Lebensfähigkeit des Taxigewerbes reicht allein nicht aus. Danach der Oberste Gerichtshof, der 2024 die europäische Rechtsprechung übernahm und die automatische Anwendung des Quotenprinzips aufhob: Die Ablehnung eines Antrags allein aufgrund des Quotenprinzips, ohne Einzelfallprüfung, ist nicht mehr rechtmäßig.
Was jedoch keiner der beiden nicht sagte: dass das Fenster offen bleibt oder dass die anhängigen Anträge en bloc genehmigt werden. Das Ergebnis ist differenzierter – und unbequemer: Die Behörden können sich nicht mehr hinter dem Automatismus verstecken, behalten aber die Möglichkeit, Anträge abzulehnen, wenn sie dies begründen. Es kommt nun auf die Qualität der einzelnen Begründungen an, von Fall zu Fall und von Gebiet zu Gebiet. Die vollständige rechtliche Analyse findet sich unter Ist das Verhältnis 1:30 rechtmäßig?.
Die aktuelle Karte, Stand Juli 2026
Wo kann man angesichts dieser Rechtslage heute einen Antrag stellen? Die Antwort der Regulierungskarte von VTC360, die den Status der Antragsfrist mit Quelle und Datum in jeder Provinz verfolgt, ist eindeutig: Stand Juli 2026 hat in keiner der 52 Provinzen die Antragsfrist in der Praxis geöffnet. Neue Anträge werden weiterhin abgelehnt – mittlerweile mit ausführlicheren Begründungen – und der effektive Weg zum Erwerb ist nach wie vor der Sekundärmarkt.
Widerspricht dies den Gerichtsurteilen? Nein: Die Gerichte haben die Spielregeln des Rechtsstreits geändert, nicht das Ergebnis des Antragsverfahrens. Und genau diese Nuance bestimmt die beiden einzigen realen Wege, die heute bestehen.
Weg 1: Beantragen, die Ablehnung erhalten und dagegen vorgehen
Es handelt sich um eine legitime Strategie, die der Branche gut bekannt ist – ein Großteil des derzeitigen VTC-Bestands entstand durch Gerichtsurteile, nicht über den Antragsprozess. Nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs ist die Position des Antragstellers, der Rechtsmittel einlegt, besser als zuvor: Die Verwaltung muss die Beschränkung begründen, und nicht alle Begründungen werden standhalten. Doch der Preis für diesen Weg wird in seiner eigenen Währung bezahlt: jahrelange Verfahren, Rechtskosten für Fachanwälte und ein ungewisses Ergebnis, das von der jeweiligen Region und der weiteren Entwicklung der Rechtsprechung abhängt. Es ist eine Option für geduldige Prozessführer, keine Abkürzung.
Weg 2: Kauf einer bestehenden Genehmigung
Der Weg, für den sich die überwiegende Mehrheit entscheidet: eine bereits erteilte, übertragbare Genehmigung, die innerhalb weniger Wochen in Kraft tritt. Die Kosten sind bekannt und öffentlich – von 23.016 € in A Coruña bis 198.014 € auf den Balearen gemäß dem Index vom Juli 2026 – ebenso wie der Zeitplan: Die bewachte Website arbeitet mit einer Zielfrist von 7–15 Tagen ab Anzahlung, im Gegensatz zu den Jahren, die der gerichtliche Weg in Anspruch nimmt.
Wie man sich entscheidet (mit Zahlen, nicht mit Schlagworten)
Der ehrliche Vergleich zwischen dem Kampf um eine neue Lizenz und dem Kauf einer bestehenden hängt von drei Variablen ab, die von dir abhängen: der Provinz (es ist nicht dasselbe, dort zu prozessieren, wo die administrative Begründung schwach ist, als dort, wo sie wasserdicht ist), dem Zeithorizont (kannst du Jahre ohne Betrieb abwarten?) und der Toleranz gegenüber rechtlichen Risiken. Dafür gibt es den Machbarkeitstest: Er gleicht die regulatorischen Rahmenbedingungen deines Gebiets mit den Kosten und Fristen der einzelnen Wege ab und liefert dir ein Gesamtbild deines Falles. Und der Status jeder Provinz – zuständige Behörde, relevante Rechtsstreitigkeiten, behördliche Genehmigungen – wird unter neue Lizenzen und auf der Karte ständig aktualisiert.
Was in den kommenden Monaten zu beachten ist
Drei Faktoren werden diese Lage mehr als alle anderen beeinflussen. Erstens: Wie begründen die Regionen die Ablehnungen nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs? Jede – gut oder schlecht begründete – Entscheidung ist Munition für die nächste Runde der Rechtsmittel. Zweitens: die regionalen Urteile: Ein Urteil einer autonomen Region, das eine konkrete Begründung kippt, kann den Status einer Provinz verändern, ohne den Rest der Landkarte zu beeinflussen. Drittens: die regulatorische Reaktion: Nichts hindert eine Region daran, ihren Rechtsrahmen mit einer Begründung neu zu gestalten, die dem europäischen Standard standhält – und die Schließung auf legalem Wege zu festigen. Wir verfolgen diese drei Signale Provinz für Provinz, mit Quelle und Datum, auf der Regulierungskarte.
Noch eine Anmerkung, denn wir verkaufen keine Luftschlösser, auch nicht zu unseren Gunsten: Sollte die Rechtsprechung nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs das Angebot in einigen Gebieten letztendlich erweitern, wird sich der Wert der Knappheit, der heute die Preise stützt, dort abschwächen. Das ist das Szenario, das jeder ernsthafte Käufer in seiner Analyse berücksichtigen muss – wir schildern dies ebenfalls ungeschönt, wenn wir über Investitionen sprechen. In der Zwischenzeit ist die Karte so, wie sie ist, und wird mit Datum veröffentlicht.